graf.beer

craft ist für den pöbel

Elektron

Kaum war das erste Bier zum Hit avanciert, wurde die kleine, junge Brauerei an der Masch tollkühn und experimentierfreudig. Die Brauanleitung „Heimbrauen“ von Hagen Rudolph – sozusagen der Einstieg in das ganze Thema – listet einige Bierstile auf. Mit dem Mezzoforte war die Klasse Festbier schon vergeben. Märzen klang interessant. Keine Ahnung, was das genau sein sollte, ein bisschen mehr Hopfen stand da und wahrscheinlich war es das, was den Ausschlag gegeben hatte. Also ran ans Brauen! Damaliger Arbeitstitel: mezzopiano. Sicher nicht ganz stilecht, aber wieder war das Trinkerlebnis eine große Freude.

Zu dem Zeitpunkt gab es auch schon den Namen und die Etiketten (damals waren wir noch übereifrig). Elektron vom griechischen Wort für Bernstein – denn das war die angepeilte Farbe. Und hier die nicht ganz bernsteinfarbene Etiketten:

Zwei 0,33l-Flaschen Elektron. Sie müssen noch in die Etiketten hineinwachsen…

Insgesamt gibt es zehn leicht unterschiedliche Etiketten. Den Hintergrund bilden verschiedenartigste Würfel, von oben hängen Hopfendolden herein. e- steht für das Elementarteilchen Elektron und untern gibt es noch brauspezifische Angaben: die laufende Nummer des Suds, die ermittelte Stammwürze und der Alkoholgehalt.

Elektron ist ein Märzen, allerdings ist es hopfiger und geplant auch etwas blumiger als klassische Märzen. Vielleicht ist auch die Bezeichnung gar nicht so ganz passend. Aber es ist ein etwas stärker eingemaischtes und gehopftes untergäriges Bier. Nicht so hell, dass es als ungefiltertes Helles oder Export durchginge, da bleibt fast nur noch Märzen. Aber das sind ja alles nur Namen.

Die Stammwürze beträgt 13°P. Damit liegt der Alkoholgehalt zwischen 5,5 und 6 %.

Rezept

Schüttung und Maischen

Für zwanzig Liter Würze 4350g Malz – davon 95% Pilsener Malz und 5% Caramünch II. Hauptguss sind 16 Liter (plus ein wenig Milchsäure weil München), Nachguss 14 Liter.

Einmaischen bei 35°C

Eiweißrast bei 55°C – 15 Minuten

Maltoserast bei 64°C – 30 Minuten

Verzuckerungsrast bei 72°C – 20 Minuten

Abmaischen bei 78°C – dann ab in den Läutereimer und erstmal stehen lassen.

Würzekochen, Anstellen und Vergären

Die gesamte Kochzeit beträgt 90 Minuten. Gleich zu Beginn 12,55 Gramm Hallertauer Taurus, zum Kochzeitende je 1,5 Gramm Hallertauer Tradition, Cascade und Perle. Ich nehme einen bis eineinhalb Liter Speise ab.

Bei zwanzig Litern stelle ich mit zwei Packungen untergäriger Hefe (trocken, 10-11g) an. Mir gefällt die Fermentis Saflager W34/70 sehr gut. Hauptgärung passiert bei 10-12°C. In der Regel dauert das so etwa zwei Wochen. Mitsamt der Speise auf die Flaschen verteilen und dann nochmal 6 Wochen Flaschengärung.

Neben den erwähnten 5,6% Alkohol hat das Bier eine nominelle Bittere von 26 IBU – sagt der kleine Brauhelfer. Also für die Bayern unheimlich bitter. Das Elektron ist das erste Bier, dem der Umzug nach München nicht so gut getan hat. Das Wasser hier ist ganz anders als in Laatzen, südlichen von Hannover. Viel härter und vor allem deutlich mehr Magnesiumhärte, die gerade für hopfenbetonte Biere – also die gewünschte Blumigkeit – nicht sonderlich zuträglich ist. Die Gesamthärte lässt sich durch Zugabe von Milchsäure reduzieren, das betrifft aber primär die Carbonathärte. Zum Senken der Magnesiumhärte müsste man mit mineralienarmen Wasser verschneiden oder mit Umkehrosmose arbeiten (dabei aber dann später das Wasser wieder aufmineralisieren – s. Dekadenz).

© 2025 graf.beer

Thema von Anders Norén