Italien ist ja für vieles bekannt: Pizza, Wein, Olivenhaine, lange Mittagspausen. Nur nicht unbedingt Bier. Zumindest nicht in unserem Haushalt: wo andere hierzulande gern mal in Urlaubs-Nostalgie zu einem Birra Moretti aus dem lokalen Spezialitätenhandel greifen, tendieren wir dann doch lieber zu Lupinienkernen, um Toscanaflair aufkommen zu lassen.
Doch auch Italien kommt nicht am Craftbiertrend vorbei – zumindest hört man das in den letzten Jahren immer öfter. Deshalb haben wir uns für den ersten vorsichtigen Reiseversuch nach längerer (Corona-)Pause dieses Jahr vorgenommen, dem einmal auf den Grund zu gehen und zu schauen, was die italienischen Supermärkte mittlerweile zu bieten haben. Die Voraussetzungen zumindest wären ja vergleichsweise gut für spannende Kreationen, immerhin gibt es keine semi-mafiösen Strukturen, die den Bierbegriff in ein Korsett schnüren und alles, was irgendwie spannend erscheint, als nicht reinheithsgebotskonform verteufeln.
Mission: Italian Beer
Besonders positiv hervorheben wollen wir zwei Biere: Lisa und Italian Grape Ale. Lisa kommt von der Brauerei Birradelborgo und hat schon internationale Preise eingeheimst. Man kriegt es recht einfach (Bars, Supermärkte). Das Italian Grape Ale läuft unter dem Label Coop, so als wäre es halt von der Hausmarke der Supermarktkette gleichen Namens.
Insgesamt haben wir 14 Biere verkostet und nach unserem altbewährten 100-Punkte-Schema bewertet. Es folgt eine kurze Übersichtstabelle, im Anschluss findet ihr die Einzelkritiken.
Julia | Jan | |
Birra Moretti, Filtrata a freddo | 50 | 49 |
Angelo Poretti, Bock Rossa 6 Luppoli | 37 | 65 |
Angelo Poretti, American IPA 9 Luppoli | 80 | 85 |
Carrefour, Yellow Sunny Ale | 72 | 74 |
Ichnusa, Non-filtrata | 78 | 82 |
Tosca, IPA | 59 | 57 |
Peroni, Cruda | 61 | 61 |
Birra Messina, Cristalli di Sale | 67 | 70 |
Coop, Italian Grape Ale | 81 | 83 |
Birradelborgo, Lisa | 77 | 75 |
Coop, La Bionda | 49 | 48 |
Coop, Fior Fiore | 37 | 31 |
Carrefour, Bio rossa | 37 | 38 |
L’Olmaia, IPA | 74 |
Birra Moretti, Filtrata a freddo: schaut aus wie Urin (das liegt eventuell auch an der durchsichtigen Flasche), insgesamt optisch nicht ansprechend, Schaum wirkt wie Spülmittelschaum, wenig ausgeprägter Geschmack, der Mais sticht stark hervor – erinnert an alles, was an Bier schlecht ist (Geruch, Besoffenheitsbenehmen, rülpsen, Bierschweiß, alles).
Angelo Poretti, Bock Rossa 6 Luppoli: rauchig/röstig, Jan findet es süß, Julia senfig, sehr leicht für ein Bockbier, könnte als einfaches Dunkles durchgehen
Angelo Poretti, American IPA 9 Luppoli: zu malzig für ein IPA, nicht schlecht, aber nicht ganz stilecht, geht etwas in Richtung Atlantik Ale
Carrefour, Yellow Sunny Ale: ganz gut, bisschen malzig-herb, kratzig im Hals, sehr süß, riecht kaum, dezent hopfig
Ichnusa, Non-filtrata: Süffig, pilsig, schön trüb, erinnert an Paulaner Zwickl
Tosca, IPA: zu bitter, zu trocken, schmeckt nach Extrakt, pulvrig
Peroni, Cruda: ein bisschen schmeckt der Mais durch, malzig-bitter, klassisches Lager, kein Hopfenaroma
Birra Messina, Cristalli di Sale: wo ist das Salz? auffallend wenig Geschmack, auch kein störender Geschmack
Coop, Italian Grape Ale: Bier-Wein-Verschnitt, mit Passerina-Traube, riecht ein bisschen nach Weinkeller, Weinaroma vorhanden, aber nicht im Vordergrund, klar bierig, Mais nicht herauszuschmecken (!)
Birradelborgo, Lisa: Lager mit Orangenschalen, schmeckt obergärig, frisch, Bittere vorwiegend von Orangenschalen
Coop, La Bionda: maisig, klassisches Lager, wenig Schaum, dünn bzw. wässerig, Maiswasser-Radler
Coop, Fior Fiore: riecht ganz stark nach Traube (vom Hopfen?), verbranntes Malz oder zu spät geläutert, gar nicht IPA-ig, außer Traube nichts hopfiges wahrzunehmen
Carrefour, Bio rossa: Etikett wirkt bekannt, es ist ein Riedenburger!, malzig, ein bisschen röstig, viel zu wenig Kohlensäure
L’Olmaia, IPA: klassisches IPA, single hop, alles solide, Nase uns Mund passen zusammen, vielleicht ein klein wenig schwach
Fazit
Das Angebot in Italien ist vielfältiger geworden, insbesondere bei den hopfenbetonteren Sorten findet man mehr als noch vor drei Jahren – typischerweise hatten die Birrifici artigianali eher mit dem Malz experimentiert.
Geht man lediglich nach den Punkten, sollte das 9 Luppoli von Angelo Poretti besondere Erwähnung finden. Das ist in der Tat ein ziemlich gutes Bier. Und auch das Ichnusa trinken wir sehr gerne (wie man vielleicht an den Punkten sehen kann). Allerdings findet man ähnliche Biere auch woanders zuhauf. Wir empfehlen deshalb allen, die in Italien unterwegs sind und etwas Besonderes, leicht Erhältliches suchen, Lisa von Birradelborgo und Italian Grape Ale von der Coop’schen Hausmarke.